3sat präsentiert in der Reihe „TrickReich“ sehenswerte Animationsfilme für Jung und AltOsnabrück. Hartnäckig hält sich der Irrtum, Animationsfilme seien immer zugleich Kinderfilme. Eine Filmreihe mit dem Titel „TrickReich“ auf 3sat leistet Nachhilfe.
Filmverleiher kennen das Problem: Willkürlich greifen Eltern zu einem Animationsfilm, häufig noch Zeichentrickfilm genannt, und lassen ihre Kinder vor dem Fernseher damit allein. Das kann heikel werden, denn beileibe nicht jeder Film dieser Machart ist für die Jüngsten geeignet. Es gibt Animationsfilme mit freizügigen Darstellungen, aber auch der Inhalte wegen sollte man die Altersfreigabe betrachten. Umgekehrt finden Erwachsene in dieser Gattung sehenswerte Filme mit anspruchsvollen Themen.
Zwischen dem 2. und 6. Mai zeigt 3sat eine Reihe von Animationsfilmen, die die ganze Bandbreite dieser Filmart belegt. Den Auftakt macht an diesem Mittwoch „Summer Wars“. Dessen Autor Mamoru Hosoda verknüpft sehr geschickt eine turbulente Familiengeschichte mit Technologiekritik. Der Schüler Kenji arbeitet nebenbei als Programmierer für die Computerwelt „OZ“. „OZ“ ist eine Kombination aus tatsächlich existierenden Diensten wie Second Life, Google, Facebook. Das utopische Moment im Film: Das gesamte öffentliche Leben ist bereits von diesem System abhängig. Als es von einem destruktiven Programm gekapert wird, droht eine globale Katastrophe.
„Summer Wars“ läuft auf die gewohnt eindimensionale Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse hinaus. Gelungen ist jedoch die überzeugende Warnung vor der fatalen Abhängigkeit von automatischen Datensteuerungen. Hosoda schrieb die Geschichte 2009 und nahm bereits vorweg, dass Atomkraftwerke außer Kontrolle geraten können. Nur zwei Jahre später wurde seine Vision auf bittere Weise bestätigt.
Von völlig anderer Natur und auf jeden Fall sehenswert ist das eigenwillige Trickfilm-Musical „Sita sings the Blues“ (Donnerstag, 22.25 Uhr). Schon die Finanzierung des Projekts folgte eigenen Regeln: Die US-Regisseurin Nina Paley erhielt das nötige Geld von Kleinanlegern, die im Gegenzug mit einer Nennung im Film belohnt wurden. Ein inzwischen häufiger praktiziertes, vor fünf Jahren aber noch sehr ungewöhnliches Verfahren.
Die Investoren ermöglichten einen mehrfach preisgekrönten Film, der eine westliche Beziehungsgeschichte mit indischer Mythologie verknüpft. Nachdem der Amerikaner Dave beruflich in Indien tätig wird, gerät seine Beziehung zu Nina in eine Krise. Dieser Strang wird verwoben mit dem indischen Epos „Ramayana“, von Nina Paley mit ironischem Touch, aber nicht respektlos gestaltet. Mehrere Figuren, Silhouetten in klassisch-indischem Stil, erzählen die Legende von Rama, korrigieren sich, zweifeln, scherzen. Derweil werden die beschriebenen Ereignisse im Hintergrund sichtbar.
Nina Paley, die den Film nahezu im Alleingang realisierte, folgt im Grunde dem Muster des Bollywood-Films, mischt diverse Zeichenstile und auch die Kulturen, wenn die üblichen Tanzeinlagen hier mit dem wehmütigen Gesang der Jazz-Pionierin Annette Hanshaw aus den 1920er-Jahren unterlegt sind. Das Ganze hat leisen, skurrilen Witz, bis hin zur eingebauten Pause, in der die Filmfiguren an der Leinwand vorbeiziehen, um sich mit Popcorn und Getränken zu versorgen.
Nicht nur im fiktionalen, auch im dokumentarischen Film kommen Animationen zur Anwendung. In Deutschland hat Katrin Rothe mit Arbeiten wie „Dunkler Lippenstift macht seriöser“ und „Stellmichein!“ diesbezüglich Pionierarbeit geleistet. International sorgten biografische Filme wie „Waltz with Bashir“ und „Persepolis“ für Furore. Wie „Persepolis“ führt auch „The Green Wave“ (Samstag, 22.15 Uhr) in den Iran. Ali Samadi Ahadi dokumentiert mittels Amateurfilmen und Animationsszenen die Aufbruchstimmung vor den Wahlen im Jahr 2009 und zeigt, wie diese manipuliert und die anschließende Protestbewegung brutal niedergeschlagen wurde. Als Protagonistin der Animationssequenzen ist die Schauspielerin und Moderatorin Pegah Ferydoni („Türkisch für Anfänger“) zu erkennen, die auch als Sprecherin mitwirkte.
Tragikomisch und verblüffend in seinem Detailreichtum – bis hin zur Feinrippunterhose auf der Wäscheleine – ist der australische Knetfiguren-Film „Mary & Max – oder schrumpfen Schafe, wenn es regnet?“. Eine unglaublich aufwendige Produktionsform: Im Spielfilmbereich dreht man üblicherweise pro Tag etwa zwei bis drei Minuten, Knet-Animateure hingegen benötigen für die gleiche Menge eine ganze Woche.
Die ganz jungen Zuschauer kommen am Samstag und Sonntag auf ihre Kosten, wenn nachmittags Filme wie „Kiriku und die wilden Tiere“ (Samstag, 16.00 Uhr) und „Sinbad – Der Herr der sieben Meere“ (Sonntag, 17.15 Uhr) gezeigt werden.
Für einen Familienfernsehabend eignet sich am Sonntag um 20.15 Uhr die „Rotkäppchen-Verschwörung“, die dem altbekannten Märchen ungewohnt drollige Seiten abgewinnt – und manch groß aufgemachten Animations-Kassenhit der letzten Zeit an Ideenreichtum übertrifft.
Summer Wars,
3sat, Mittwoch, 2. Mai, 22.25 Uhr
Quelle
[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]( die eigentliche überschrift des artikels fand ich dazu nich so passend, deshalb hab ich sie weggelassen )